Die Orgel in der evang. Sophienkirche Pokój (Carlsruhe O/S)

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Orgel der evang. Sophienkirche in Carlsruhe O/S

Erbauer: Firma Schlag & Söhne
Baujahr: 1904, Opus 675
Prospekt: 1774
Register: 17 / II+P
Traktur: pneumatisch

Disposition:

Manual IManual IIPedal
Bordun 16’
Principal 8’
Gamba 8’
Flaute 8’
Octave 4’
Quinte 2 2/3’ u. Octave 2’
Mixtur 3fach
Lieblich Gedackt 16’
Geigenprincipal 8’
Salicional 8’
Aeoline 8’
Portunalflöte 8’
Fugara 4’
Flöte 4’
Violon 16’
Subbass 16’
Violoncello 8’


Spieltisch der Orgel der evang. Sophienkirche in Carlsruhe O/S

Geschichte der Orgel

Die Evangelische Sophienkirche in Pokój wurde in den Jahren 1765 bis 1775 errichtet. Die erste Orgel wurde von Siegmund Puchert aus Oels im Jahre 1774 erbaut. 1828 wurde sie unter Beibehaltung des Rokokogehäuses von Daniel Meister für 135 Taler umgebaut. 1861 erfolgte eine Renovierung durch G. Anders.


Evang. Sophienkirche in Carlsruhe O/S    Kanzelaltar

1904 schließlich baute die Schweidnitzer Orgelbauwerkstätte Schlag & Söhne das aktuelle Werk auf pneumatisch angesteuerten Kegelladen als Opus 675 ein. Das Gehäuse und ein Teil des überlieferten Pfeifenwerkes wurden dabei beibehalten. Die Orgel wurde dabei von ursprünglich einem auf zwei Manuale erweitert. Das zweite Manual wurde als Schwellwerk hinzugefügt und im zum Kirchenschiff hin offenen Treppenhaus hinter der Orgel eine Etage höher aufgeseilt. Von dort strahlt dessen Klang in den Kirchenraum hinein.

Die originalen Zinnpfeifen wurden 1917 für die Kriegswirtschaft abgeführt. 1922 wurden diese durch Zink und teilweise Zinnpfeifen durch die Erbauerfirma ersetzt.

Zu einem nicht näher bekannten, jedoch offensichtlich nur wenige Jahre zurückliegenden Zeitpunkt, erfolgte eine Umdisponierung. Diese bezog sich auf die beiden Register Lieblich Gedackt 16' und Aeoline 8'. Sie wurden gegen Quinte 1 1/3' und Octave 2' ausgetauscht. Ein Großteil des Pfeifenwerkes der beiden Schlag'schen Register wurde dabei in der Orgel eingelagert.


Pfeifenwerk Pfeifenwerk

Die Orgel verfügt über insgesamt 999 klingende Pfeifen. Von diesen stammen immerhin rund 424 Pfeifen aus dem Bestand der Vorgängerorgel. Im Detail ist noch zu prüfen, inwieweit es sich dabei um Pfeifen aus dem Ursprungsbestand der von Puchert im Jahre 1774 geschaffenen Orgel handelt oder um Pfeifen, die im Laufe des 19. Jahrhunderts durch Daniel Meister eingebaut wurden. Nach in erster Inaugenscheinnahme ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich um Pfeifen aus dem 18. Jh. handelt. Diese stellen in Schlesien, das insbesondere im 19. und 20. Jh. starke Verluste an historischen Orgeln erlitt, eine große Besonderheit dar. Mit rund 42 Prozent Anteil am Gesamtbestand wäre dies ein aus orgelhistorischer Sicht recht bedeutsamer barocker Pfeifenbestand.

Die Orgel ist derzeit stark verschmutzt und dringend überholungsbedürftig. Mit Ausnahme einzelner Aussetzer ist sie weitgehend spielbar. Das Ziel der geplanten Arbeiten ist die Bewahrung der historischen Substanz sowie der Erhalt eines Instrumentes, das allen Anforderungen zu Gestaltung von Andachten, Gottesdiensten oder gelegentlichen Konzerten gerecht wird.

Text: Jehmlich Orgelbau, Dresden / Ludwig Burgemeister: Der Orgelbau in Schlesien, Frankfurt 1973
Bilder: Andreas Busch