Die Orgel der Liebfrauenkirche in Liegnitz

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Orgel der Liebfrauenkirche in Liegnitz

Erbauer: Friedrich Weigle, Opus 487
Baujahr: 1914
Register: 54 / III+P
Tonumfang: Manuale: C-c4, Pedal: C-f1
Traktur: pneumatisch
Windladensystem: Membranlade
Gehäuse: Michael Röder, 1735
Technischer Zustand: Renovierung durch Orgelbau Hammer.
Erster Renovierungsabschnitt im September 2000 erfolgreich abgeschlossen.

Disposition:

Manual I Manual II Manual III Pedal
30. Fugara 4'
31. Cornettino 3fach
32. Mixtur 5fach
33. Clarine 4'
34. Trompete 8'
35. -
36. -
37. Principal 16'
38. Bourdon 16'
39. Principal 8'
40. Gamba 8'
41. Gedeckt 8'
42. Gemshorn 8'
43. Flûte octaviante 8'
44. Dulciana 8'
45. Oktave 4'
46. Oktave 2'
47. Rohrflöte 4'
48. Quinte 2 2/3'
52. Celesta piano
53. Celesta forte
54. Piccolo 2'
55. Terz 3 1/5'
56. Mixtur 3-4fach
57. Labial-Oboe 8'
58. Clarinette 8'
83. Quintatön 16'
84. Geigen-Principal 8'
85. Concertflöte 8'
86. Viola 8'
87. Nachthorn 8'
88. Salicional 8'
89. Liebl. Gedeckt 8'
90. Aeoline 8'
91. Voix Céleste 8'
92. Oktave 4'
93. Gemshorn 4'
94. Traversflöte 4'
64. Sifflöte 1'
65. Schwiegel 2'
66. Prästant 4'
67. Gedecktpommer 4'
68. Gedeckt 8'
75. Quinte 1 1/3'
76. Cymbel 2fach
77. Terz-Septim 2fach
Tremulant
5. Quintbass 10 2/3'
6. Zartbass 16'
7. Subbass 16'
8. Posaune 16'
9. -
10. Principalbass 16'
11. Contrabass 16'
12. Violonbass 16'
13. Principalbass 32'
14. Octavbass 8'
15. Cello 8'
16. Bassflöte 8'
17. Choralbass 4'
19. Contrabass 16' (PU-II)
20. Violonbass 16' (PU-II)
21. Subbass 16' (PU-II)
22. Zartbass 16' (PU-II)
23. Cello 8' (PU-II)
24. Bassflöte 8' (PU-II)
70. Violonbass 16' (PU-III)
71. Subbass 16' (PU-III)
72. Zartbass 16' (PU-III)
73. Cello 8' (PU-III)
74. Bassflöte 8' (PU-III)
Koppeln: Feste Kombinationen Spielhilfen/Sonstiges Absteller
1. I - Ped.
2. II - Ped. (PU-II)
3. III - Ped. (PU-III)
4. Super I - Ped.
25. II - I
26. III - I
27. Super I
28. Super II - I
29. Super III - I
50. Sub II - I
51. III - II
Bassaccent (Ped - I)
Pianissimo
Piano
Mezzoforte
Forte
Fortissimo
Tutti
2 freie Kombinationen
Generaltutti
Rollschweller
Jalousieschweller (Echo II.Man.)
P-Umsch. f. II. u. III. Man.
Handregister
Hochdruck
Zungen
Registerschweller
II-I a. Reg.schweller
II-I a. festen Komb.

Die Manuale II und III besitzen eine sog. »Pedalumschaltung«, d.h. beim Anspielen des jeweiligen Manuals kann eine automatische Umregistrierung des Pedals erfolgen. Die hier wählbaren Pedalregister sind in obiger Tabelle mit »PU-II« bzw. »PU-III« bezeichnet, am Spieltisch sind deren Registerwippen mehrfarbig gekennzeichnet.


Spieltisch der Orgel der Liebfrauenkirche in Liegnitz

Die Mixtur 5-fach im I. Manual hat nur 3 eigene Reihen (und zieht die Octave 2' und vermutlich auch die Quinte 2 2/3' mit). Die Beschriftung des Terz-Septim im III. Manual ist ausradiert, die Festschrift der Fa. Hammer aus dem Jahre 2000 nennt hierfür ein Regal 16'. Die Pfeifen des III. Manuals sind ausgebaut, die Registerzüge des III. Manuals ohne Funktion, die Windlade ist noch in der Orgel, die Pfeifen sind in der Kirche gelagert (bzw. teilweise verkauft?). Im II. Manual gibt es außerdem noch 2, im III. Manual 7 leere Registerwippen. Zartbaß 16' ist eine Transmission aus Quintadena 16', Cello 8' aus Viola 8' im II. Manual. Die Orgel besitzt eine gewaltige Balganlage im Gehäuseunterbau unter den Windladen: ein zweifaltiger Hauptmagazinbalg mit 2 Keilschöpfbälgen mit Tretanlage und Elektroventilator sowie 3 weitere große zweifaltige Ausgleichsbälge jeweils für das I., II. Manual und das Pedal. Die Winddrücke der Manuale betragen jeweils 104 mmWS im Pedal 145 mmWS. Der 5. Balg für das III. Manual (nur einfaltig) ist stillgelegt.

Die Octave 2' (und vermutlich auch Quinte 2 2/3') im Manual I sind Auszüge aus der Mixtur 5fach. Die Labial Oboe 8' im Manual II ist eine Kombination der Viola 8' und des Nachthorns 8'. Der Principalbass 32' im Pedal ist ein sog. »akustischer Baß«, d.h. eine Kombination aus Principalbass 16' und Quintbass 10 2/3'. Die Pedalregister Zartbass 16' und Cello 8' sind Transmissionen aus dem Manual II (Quintadena bzw. Viola). Die im Manual II spielbare Celesta ist noch vorhanden.

Zur Geschichte:

Die erste Nachricht von einer Orgel in der Liebfrauenkirche stammt aus dem Jahre 1414. 1438 stiftete der Bürgermeister von Haynau ein neues Instrument. Im Jahre 1500 entstand eine andere, wahrscheinlich größere Orgel, die im Presbyterium untergebracht war. 100 Jahre später errichtete man im nördlichen Teil des Hauptschiffes einen neuen Chor, wohin auch die Orgel aus dem Presbyterium gebracht wurde. Dieses Instrument, das noch dreimal umgebaut und verbessert wurde, diente bis zum Jahre 1735.

1735 bis 1736 erbaute Michael Röder eine neue Orgel mit 35 Stimmen, die auf zwei Manualen und Pedal verteilt waren. Die einzelnen Werke der Orgel besaßen charakterlich unterschiedliche Dispositionen. Das Instrument war auch mit typischen barocken Mechanismen ausgestattet, wie Glocken und Pauken, sowie beweglichen Putten am Prospekt. Doch besonders beachtenswert ist Röders herrlicher Orgelprospekt, der die Breite und Höhe des gesamten Kirchenschiffes einnimmt. Der Prospekt ist reich mit Schnitzwerken und Skulpturen verziert. Außer ihm ist nur noch sehr wenig von Röders Orgel erhalten geblieben. Von Röder 1735 stammen noch folgende Pfeifen (aus verschiedenen alten Registern zusammengesetzt und verändert): im I. Manual Principal 8' cs°-f'', Octave 4' Cs-h'', Gemshorn 8' d°-cs''', im II. Manual Octave 4' D-ds'', Gemshorn 4' D-ds''', 5 Pfeifen in der Mixtur.


Detail der Orgel der Liebfrauenkirche in Liegnitz

Den ersten Versuch einer Romantisierung erfuhr das Instrument im Jahre 1848 durch C. F. Buckow, Hirschberg (II+P/37). Wahrscheinlich in der 2. Hälfte des 19. Jh. erhielt die Orgel eine neue durchschlagende Clarinette 8'. Einen weiteren gründlichen Umbau führte die Firma Weigle (Echterdingen bei Stuttgart) 1914 durch, nach dem das Instrument der romantischen Ästhetik des Klanges völlig entsprach. Der Übergang von der mechanischen zur pneumatischen Traktur erforderte eine Auswechslung der meisten Teile der Orgel. Es entstand ein neues Instrument im alten Gehäuse. Dabei erhielt das dritte Manual eine damalige technische Neuheit: die Möglichkeit der Dynamikregelung per Luftdruck (»Parabrahm-Orgel«)

Das Parabrahm-Werk von 1914 befand sich im Spieltischunterbau. Die Hochdruckregister hatten eigene Windladen, die im Zwischenraum zwischen den Manual- und Pedalladen standen, diese fehlen heute gänzlich. Das Parabrahm-Werk sowie die 5 Hochdruckregister sollen angeblich bereits 1928 durch Weigle selbst ausgebaut und zugleich das III. Manual durch ein neues "Barockwerk" mit 8 Registern auf neuer Windlade an der Stelle der Hochdrucklade des Hauptwerks ersetzt worden sein. Durch die Fa. Sczerbaniak (Lodz) wurde 1974-77 diese Windlade in gleicher Größe mit veränderten Registern neu gebaut, zugleich wurden im I. Manual die Pfeifen von Mixtur 3-fach vollständig, Cornettino 3-fach überwiegend, Bordun 16' und Octave 4' jeweils ab c3 sowie die Becher von Clarine 4' ab c erneuert. Im Rahmen der Restaurierung 2000 wurden nur die Prospektpfeifen und die Pfeifen des Bordun 16' ab b4 neu eingebaut. Die Holzpfeifen C-F des Principal 8' I. Manual wurden durch die freigewordenen alten Zinkprospektpfeifen c-f des Principal 16' ersetzt.

Der Klangwert und der technische Zustand lassen die Orgel aus der Liebfrauenkirche zu den geschätzten Konzertorgeln nicht nur Niederschlesiens zählen. Ihren Wert beweist auch die immer noch zunehmende Zahl der Musikstücke, die gerade für sie geschrieben werden.

Disposition von 1914 (»Parabrahm-Orgel«):

Quelle: Firmenprospekt der Firma Friedrich Weigle, Echterdingen bei Stuttgart

Manual I Manual II Manual III Pedal
1. Principal 16'
2. Bourdon 16'
3. Principal 8'
4. Gamba 8'
5. Gedeckt 8'
6. Gemshorn 8'
7. Flute octaviante 8'
8. Dulciana 8'
9. Oktave 4'
10. Fugara 4'
11. Rohrflöte 4'
12. Quinte 2 2/3'
13. Oktave 2'
14. Cornettino 3fach
15. Mixtur 5fach
16. Trompete 8'
17. Clairon 4'
18. HD. Seraph. Princ. 8'
19. HD. Seraph. Gamba 8'
20. Quintatön 16'
21. Geigenprincipal 8'
22. Konzertflöte 8'
23. Viola 8'
24. Nachthorn 8'
25. Salicional 8'
26. Lieblich Gedeckt 8'
27. Aeoline 8'
28. Voix celeste 8'
29. Oktave 4'
30. Gemshorn 4'
31. Traversflöte 4'
32. Terz 3 1/3'
33. Piccolo 2'
34. Mixtur 3-4fach
35. Clarinette 8'
36. Labial Oboe 8'
37. HD. Seraphon Ged. 8'
38. HD. Tuba mirabilis 8'
39. Gamba 16'
40. Geigenorchester 8'
41. Principal 8'
42. Horn 8'
43. Cello 8'
44. Celesta forte (im II. Manual spielbar)
44a. Celesta piano
45. Orchesterflöte 8'
46. Geigenprincipal 8'
47. Aeoline 8'
48. Echobaß 16'
49. Principalbaß 32'
50. HD. Fundamentalbaß 16'
51. Principalbaß 16'
52. Contrabaß 16'
53. Violonbaß 16'
54. Subbaß 16'
55. Zartbaß, schwellbar 16'
56. Quintbaß 10 2/3'
57. Oktavbaß 8'
58. Cello, schwellbar 8'
59. Baßflöte 8'
60. Choralbaß 4'
61. Posaune 16'
Koppeln Feste Kombinationen Spielhilfen/Sonstiges Absteller
6 Normalkoppeln
Super II - I
Super III - I
Super I
Super I - Ped.
Sub II - I
Orchestralkoppeln:
II - I
III - I
Bassaccent (Ped - I)
Pianissimo
Piano
Mezzoforte
Forte
Fortissimo
Tutti
4 feste Komb. extra für II. Man.
2 freie Kombinationen
Registerschweller (Walze)
Tonmodifikator III. Man.
Tonmoderator III. Man.
Windkompressions-
schweller III. Man.
Pianopedal f. II. u. III. Man.
Tutti III. Man.
Generaltutti
Generalkoppel
Principalchor
Geigenchor
Flötenchor
Trompetenchor
16' ab
Hochdruck
Zungen
Registerschweller
II-I a. Reg.schweller
II-I a. festen Komb.
Parabrahm ein in feste Komb.

Das Werk besaß folgende Schwell-Systeme:

Weitere Angaben:

Kurz gefaßte Historik:

(Die Abkürzung »BM« steht im folgenden für Seitenverweise in: »Ludwig Burgemeister: Der Orgelbau in Schlesien, 2. Aufl., Weidlich Verlag, Frankfurt/Main, 1973«)

Links:

Evang. Lutherische Kirchengemeinde Liegnitz [Webseite]