Die Orgel der kath. Kirche St. Antonius in Peterswaldau (Pieszyce)

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Erbauer: Firma Schlag & Söhne
Baujahr: 1874
Register: 43 / III+P
Tonumfang: Manuale: C-f3, Pedal: C-d1
Traktur: pneumatisch
Windladensystem: Kegel-, Taschenladen

Disposition 2012:

Manual IManual IIManual IIIPedalSpielhilfen
01. Bourdon 16’
02. Principal 8’
03. Gamba 8’
04. Hohlflöte 8’
05. Dolce 8’
06. Octave 4’
07. Gemshorn 4’
08. (Leerwippe)
09. Octave 2’
10. Cornett 3-4f
11. Trompete 8’
12. Lieblich Gedeckt 16’
13. Geigenprincipal 8’
14. Salicional 8’
15. Quinte 1 1/3’
16. Lieblich Gedeckt 8’
17. Principal 4’
18. Spitzflöte 1’
19. Flauto travers 4’
20. Piccolo 2’
21. Mixtur 3-4f
22. Clarinette 8’
23. Zartgedeckt 16’
24. Hornprincipal 8’
25. Doppelflöte 8’
26. Flute harmonic 8’
27. Aeoline 8’
28. Voix celeste ab c 8’
29. Violine 4’
30. Zartflöte 4’
31. Flautino 2’
32. Sesquialter 2f
33. Cymbel 3f
34. Oboe 8’
35. Vox humana 8’
36. Principal 16’
37. Violon 16’
38. Subbass 16’
39. Quintbass 10 2/3’
40. Principal 8’
41. Flautbass 8’
42. Cello 8’
43. Octave 4’
44. Posaune 16’
III/I, II/I, III/II
III/P, II/P, I/P
Kalkant
Crescendoanzeiger
Windprobe
Auslöser
1 Freie Kombination
Piano
Forte
Tutti
Absteller
Handregister ab
Crescendowalze
Schwelltritt III. Man.
Tremulant III. Man.

Geschichte der Orgel

1874: Neubau durch Schlag & Söhne/Schweidnitz

Neubau der Orgel in der Katholischen Kirche St.Antonius in Pieszyce (Peterswaldau) durch die Firma Schlag & Söhne aus Schweidnitz. Die Orgel hatte laut Firmenkatalog 38 Register. Schlag & Söhne baute in dieser Zeit mechanische Kegelladenorgeln. Die Windversorgung der Orgel erfolgte durch vier Keilbälge. Die Orgel steht in einem neugotischen Gehäuse, welches bis heute gut erhalten ist.

1915: Umbau durch Schlag & Söhne/Schweidnitz

Umbau der Orgel auf pneumatische Traktur durch die Erbauerfirma Schlag & Söhne. Es erfolgten die Entfernung der mechanischen Traktur und der Einbau einer pneumatischen Ansteuerung. Umrüstung der Kegelladen mit pneumatischen Relais und Membranenleisten, anstelle der ursprünglichen mechanischen Tonwellen. Die Register wurden über ein Relais, Balg und Stecher geschalten.

Umstellung des Spieltisches auf pneumatische Ansteuerung und Einbau pneumatischer Relais. Das Spieltischgehäuse und die Stellung am Untergehäuse mit Blick zur Orgel blieben erhalten. Der Spieltisch bekam die für die damalige Zeit moderne Ansteuerung mit den entsprechenden Festen Kombinationen, die als Drücker unter dem I. Manual geschaltet wurden.

1923: Umbau und Erweiterung durch W. Sauer/Frankfurt (Oder)

Sauer erweiterte die Orgel auf 44 Register, die sich auf 3 Manuale und dem Pedal verteilten. Er baute den pneumatischen Spieltisch um und gestaltete ihn neu. Der alte Klappdeckel von 1874 wurde gegen eine Rolljalousie ausgetauscht und in der Orgel eingelagert.

Bei dem Umbau erfolgte die Änderung der Disposition, wie sie heute noch auf den Registerwippen im Spieltisch zu sehen ist. Die Festen Kombinationen sowie Ein- bzw. Abschaltungen als Drücker wurden erweitert und es kam eine Freie Kombination hinzu. Sauer übernahm Register der Schlag-Orgel, tauschte sie teilweise in den einzelnen Werken um und baute neue Register für sein Klangkonzept dazu.

Die Balganlage und das Gehäuse wurden übernommen. In dieser Zeit erfolgte auch der Einbau eines elektrischen Orgelmotors, der am unteren Keilbalg angeschlossen wurde. Die Tretanlage für diesen Balg wurde entfernt. Die Tretanlage für die übrigen 3 Keilbälge blieb erhalten.

Die Windladen des I. und II. Manuals sowie des Pedals wurden übernommen. Komplett neu lieferte Sauer das III. Manual als Schwellwerk mit 13 Registern. Es sind pneumatische Taschenladen. Dazu baute Sauer für das III. Manual einen Tremulanten. Die Schwelljalousien werden mechanisch vom Spieltisch angesteuert. Die Windlade des II. Manuals von Schlag & Söhne mit 9 Registern wurde übernommen, dazu baute Sauer zusätzlich eine Taschenlade mit zwei Registern. Damit hat das II. Manual jetzt insgesamt 11 Register. Das neugotische Gehäuse hat Sauer übernommen und mit neuen Prospektpfeifen aus Zink bestückt. Es ist ein Blindprospekt, alle Prospektpfeifen sind stumm. Wahrscheinlich waren die originalen Prospektpfeifen aus Zinn und sie mussten 1917 für Kriegszwecke abgeliefert werden.

1969/70: Umsetzung des Spieltisches, Dispositionsänderung

In den Jahren 1969/70 wurde durch eine polnische Firma der Spieltisch von der Orgel entfernt und an die Emporenbrüstung gesetzt (Expertise Marek Pilch vom 22.08.2011). Für die neue Stellung mussten die Bleirohre verlängert werden. Der Vorteil dieser neuen Aufstellung des Spieltisches stellte der direkte Blick des Organisten zum Altar dar, der Nachteil war die grössere Verzögerung der Pneumatik beim Spielen durch die längeren Windleitungen.

Die Arbeiten wurden unfachmännisch ausgeführt, schlechte Bündelung und Befestigung der Rohrleitungen. Als Ersatz für die Bleirohre wurden teilweise Benzinschläuche aus PVC verwen-det. Diese Schläuche lösen sich nach unseren heutigen Erfahrungen nach einigen Jahren auf und verkleben zu einer harten Masse.

Das Registerstück wurde falsch bestückt, eine Bohrung wurde ausgelassen, sodass nur noch 43 von 44 Registern spielbar sind. Das Register Rohrflöte 4’ im I. Manual wurde daraufhin stillgelegt und die Registerwippe im Spieltisch mit Silberbronze überstrichen. Die Pfeifen der Rohrflöte 4’ sind nicht mehr vorhanden. Durch die Verschiebung der Bleirohre sind sicher auch die Zusammensetzungen der Festen Kombinationen nicht mehr original.

Im II. Manual gab es zwei Registeränderungen. Sie müssen auch in dieser Zeit ausgeführt worden sein. Anstelle Portunal 8’ und des Salicet 4’, wie auf den Registerwippen ausgewiesen, stehen auf der Windlade die Register Quinte 1 1/3’ und Spitzflöte 1’.

Text: W. Sauer Orgelbau: Expose über die Schlag/W. Sauer - Orgel in der katholischen Kirche St. Antonius zu Peterswaldau (Pieszyce), Frankfurt/Oder 2012